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Montag, März 31, 2025

Wenn Zäuerli in Turbulenzen übergehen



Die Kerzen auf den Tischen – wenn auch mit künstlichen Flammen leuchtend – schaffen eine quick schon festlich zu nennende Atmosphäre in dem am Sonntagnachmittag bis auf den letzten Platz besetzten Lindensaal. Erwartungsfroh harren Jung und Alt der Dinge, die da kommen sollen. Man rätselt, was es mit diesem «Lodge all inclusive», das nach der grossen Pause angekündigt ist, wohl auf sich hat.

Stimmliche Preziosen

Bevor es so weit ist, kommt der Jodlerclub Teufen seiner ureigensten Bestimmung nach und lässt das Publikum geniessen, was es von ihm erwartet. Ruedi Preisig und Edi Tanner, die beiden Vorjodler, stimmen vor dem noch geschlossenen Vorhang auf den Konzertteil ein. Ihre klingende Spur nimmt darauf die ganze Formation auf – an die dreissig Männer in der Tracht, zwei davon «i de Gääle». Sie lassen rasch erkennen, dass Hansueli Hersche, der Leiter des Jodelclubs, hervorragende Arbeit verrichtet. In Dölf Mettlers «Em Senn sis Lied» und in Ernst Sommers «Berg-Erinnerige» kommt das ebenso delikat zum Ausdruck wie im besinnlichen «Goldegi Flügel» von Reto Stadelmann. Die Zäuerli wurden teils mit Schelleschötte und Talerschwingen bereichert.

Wie sind sie trefflich fundamentiert dank der Sonorität der Bassstimmen und wie fein klingen sie aus in sorgsam gestalteten Diminuendi. Das leicht Wehmütige, das dieser Artwork des wortlosen Gesangs stets innewohnt, kommt wunderbar zum Tragen. Der Blick in die Gesichter der Sänger verrät, dass pure Wonne die Begleiterin durch das Dargebotene ist. Und als erfreulich registriert man die gute Altersdurchmischung. Auf dem Sterbebett, wie das leider bei vielen Chören der Fall ist, liegt der Jodlerclub Teufen wahrlich nicht. Dass man ihm gerne angehört, beweist Werner Wieser, der seit 50 Jahren dabei ist.

Zwischendurch begrüsst Präsident Markus Wild, wen es zu begrüssen gilt und freut sich, dass auch Delegationen befreundeter Vereine den Weg nach Teufen gefunden haben, sogar aus dem Zürich- und aus dem Bernbiet.

Verwicklungen und Verwirrungen

Nach ihrem gesanglichen Einsatz fungieren die Jodler in der grossen Pause als Servierpersonal, dergestalt quasi eine Brücke bauend zum nun folgenden Sing-Theater. Hier spielt – der Titel «Lodge all inclusive» lässt es anklingen – das Gastronomische im weitesten Sinn eine Rolle. Teufen erhält ein neues Lodge, das anstelle eines Schulhauses errichtet wird. Es soll auf Wunsch eines Herrn Schönwetter ein Ruheort werden, weshalb alle Lärmquellen zu versiegen haben, sei es die Bahn, sei es die Dorfbrunnen, sei es das Glockengeläute. Dass das nicht ohne Friktionen ablaufen kann, versteht sich, zumal der Hoteldirektor von galoppierender Ungeduld befallen ist. Der erste Gast trifft denn auch bald ein. Es ist ein Basler namens Sigismund, der vorgibt, an einem Kongress für Sitte und Anstand teilzunehmen, es aber mit der Treue nicht so ernst nimmt. Die Ankunft einer gewissen Girl Grolimund entlarvt seine Schwerenöterei, dem zwei trottelige Polizisten auf die Spur kommen wollen. Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf mit dem Erscheinen eines Dr. Eisenbart, der im Lodge eine Praxis eröffnet. Er sollte den vom Weisheitszahn gepeinigten Gemeindehauptmann behandeln, aber auch in veterinärmedizinischer Funktion einen vom Schluckauf geplagten Papagei kurieren. Italienische Teppichhändler wollen ihre Ware an den Mann bringen. Schliesslich taucht noch der aus dem Zeughaus Teufen ausgebrochene und als Museumsschrotti betitelte Computermensch Sabor auf.

Einige witzige Einfälle

Nun erheben ja solche Produktionen nie den Anspruch, die Menschheit in ihrem Bestreben nach Erkenntnis voranzubringen. Deshalb wäre es verfehlt, einen beckmesserischen Massstab anzulegen. Leo Koller, dem Ideengeber und Regisseur von «Lodge all inclusive», ist es gelungen, ein paar viel Heiterkeit hervorrufende Gags einzubauen. Dem Prädikat «Sing-Theater» wird er mit dem Einfügen von Gesangsnummern, teils entlehnt aus Schlagerwelt und Operette, gerecht. Hansueli Hersche am Klavier und Roman Hersche am Akkordeon begleiten das Vokale.

Alles in allem ein gelungener Anlass, der jenen noch zusätzlich Vergnügen bereitet, die sich in der reichlich dotierten Tombola als Glückspilze wiederfinden.

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